" Einfach Spitze"
Die Spitze hat tatschlich erst etwa um 1500 ihren Einzug in die Welt gehalten.
Am
besten ist es vielleicht dem begeisterten Liebhaber der Spitze Alfred v. Henneberg gelungen, eine Definition zu finden:

" Als Spitze bezeichnen wir ein zum Schmuck bestimmtes, dekoratives Gebilde aus dünnen Fäden (Metall, Seide, Flachs, Baumwolle und dgl.), das mit der Nadel oder mit Klöppeln, mit der Häkelnadel oder mit der Maschiene hergestellt wird und dem nicht ein anderes, für sich selbst verfertigtes Gewebe oder Netz als Stütze dient".
Früher hatte es zur Allgemeinbildung einer Frau gehört, etwas von Spitzen zu verstehen. Von den wichtigsten Arten der "Echten" und "Alten" sprach man nur in heimlicher Liebe und Ehrfurcht. Man konnte ihren künstlerischen und materiellen Wert, den Augen gefährdenden Mühen schon deshalb ahnen oder besser beurteilen, weil die Herstellung von Spitzen als weibliche Handarbeit der Dame bald in der einen, bald in der anderen Technik sehr geschätzt wurde.

Es ist oft schwierig, bei alten Spitzen Ort und Zeit der Entstehung nachzuweisen, sofern für diese keine schriftlichen Belege (Bestelllungs-, Geschenks- oder Nachlaßurkunden) vorliegen.  Machmal ist es eigenes Beiwerk, häufig aber technische Merkmale, an denen das geschulte Auge des  Sachkenners Anhaltspunkte für die Zeit ihrer Herstellung findet.
Alfred v. Henneberg hat diesen Umstand untersucht mit dem Ergebnis:

 " ..., daß den Spitzen ihr Charakter von Generationen gegeben wurde, die zur Zeit ihres maßgebenden Einflusses im späten Lebensalter standen und noch die Probleme der vorhergehenden Epoche vor sich hatten. Die alten Spitzen wurden zumeist in Klöstern und Begineenhäusern hergestellt, die Vorsteherinnen oder führenden Vorarbeiterinnen waren alte Frauen, die am Überkommenen  festhielten."

Daran ist viel Wahres, denn meistens haben die Spitzenarbeiterinnen die Muster selbst gezeichnet.

Das Weiß, der im 17. Jahrhundert getragenen großen Spitzenkragen tat nicht nur in wundervollem Kontrast zur Hautfarbe auf, es reflektierte sich auch im Gesicht des Trägers. Dieser Effekt wurde in der Porträtmalerei genutzt.


Auch die Techniken haben ihre Entwicklung durchgemacht; so gab es beim Klöppeln anfänglich nur  den Flechtschlag; bald kam der Formenschlag hinzu, dann der Leinenschlag und schließlich der Löcherschlag.
Erst nachdem man es verstand, diese in zu- und abnehmenden Breiten herzustellen, war  die Klöppelspitze frei von einschränkender Gestaltung.

Klöppelspitzen werden auch mit Spitzenklöppelmaschinen hergestellt, hierbei wird die Musterung ständig im Rapport wiederholt.

Die Frage, ob man hand- und maschienengeklöppelte Spitzen grundsetzlich voneinander zu unterscheiden vermag, muss verneint werden. Die Bindungsweise ist bei beiden dieselbe. Spitzenklöppelmaschinen können nur einfache geometrische Musterungen herstellen. Ornamental anspruchsvolle Spitzen, wie sie hauptsächlich die flandrischen und brüsseler Spitzen darstellen, vor allem florale Musterungen, können mit der Klöppelmaschine nicht gefertigt werden.

Die Ursachen liegen darin, daß beim Handklöppeln jederzeit die Anzahl der Klöppel beliebig vermehrt oder verringert werden kann und das während des Arbeitsprozesses der Anzug der Fäden an jedem Bindungspunkt individuell verändert werden kann, was bei der maschinellen Arbeit unmöglich ist. Auch das Entgegengesetztarbeiten durch Drehen des Klöppelkissen verschafft dem Handklöppeln jene Überlegenheit, die für komplizierte Musterungen unentbehrlich ist.

Ein Unterscheidungsmerkmal zwischen hand- und maschinengeklöppelten Spitzen ist die Eckbildung. Klöppelmaschinen können nur sogenannte "Meterware" herstellen, es kann nicht " um die Ecke" geklöppelt werden.

 

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